Chronist der Macht by Nayhauß-Cormons Mainhardt Graf von

Chronist der Macht by Nayhauß-Cormons Mainhardt Graf von

Author:Nayhauß-Cormons, Mainhardt Graf von [Nayhauß-Cormons, Mainhardt Graf von]
Language: eng
Format: epub
Publisher: Siedler Verlag
Published: 2015-06-01T04:00:00+00:00


Privates und berufliches Glück

Umzug nach München

Der berühmte Schauspieler Curd Jürgens und ich schreiben in derselben Zeitschrift: in »Jasmin«. Wie das? Glück und Förderer muss man haben, um voranzukommen. Tüchtigkeit und Können allein reichen nicht. Auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber stoße ich wieder auf meine früheren Chefs bei der »Quick«, Karl-Heinz Hagen und Günter Prinz. Nach ihrem Abgang bei der Illustrierten heuerten sie beim Springer-Verlag an – mit dem Auftrag, zwei neue Zeitschriften zu konzipieren: »Eltern« und »Jasmin«. Ich wurde für »Jasmin« engagiert unter der Bedingung, dass ich mit Frau, Hund und Möbeln nach München übersiedle, wo die Redaktion in der Neherstraße hren Sitz hat – mit Blick auf ein öffentliches Freibad, das zu nutzen wir Redakteure aber kaum Gelegenheit haben.

»Jasmin« ist angelegt als Zeitschrift »Für das Leben zu zweit« (so auch der Untertitel) mit der Überlegung, Anzeigen sowohl für Herren- als auch für Damenartikel zu bekommen. Im Editorial der ersten Ausgabe, die nach einem halben Jahr intensivster Vorbereitung am 18. März 1968 erscheint, heißt es: »›Emma Peel und ihr Leben zu zweit‹ ist die beste Geschichte in der neuen Zeitschrift ›Jasmin‹. Das meinten alle, die daran gearbeitet hatten. Reporter und Fotografen, die jungen Mädchen an der Schreibmaschine – und natürlich der Autor. Ein paar Redakteure dagegen stimmten für den Bericht des Schauspielers Curd Jürgens von seiner Operation: ›Was denkt ein Mann auf der Grenze zwischen Tod und Leben?‹ Der Beitrag ›Der Dieb in meinem Bett‹ hat die Damen empört, die Herren nachdenklich gestimmt. Einmütig war das Urteil über das ›Lexikon der Erotik‹: Jeder las, jeder war fasziniert. Die es erarbeitet hatten, bemühten sich, bescheidene Gesichter zu machen.«

Curd Jürgens ist einer der Ersten, denen von dem berühmten amerikanischen Herzchirurgen Michael DeBakey ein Herz-Bypass mittels eines Stents installiert wurde. Jürgens berichtet: »Der Arzt hatte ein etwa fünf Zentimeter langes Kunststoffröhrchen in meine Arterie eingesetzt und damit eine Verbindung zwischen meiner linken Halsschlagader und der linken Arm-Arterie geschaffen. Schon 36 Stunden nach der Operation musste ich im Korridor spazieren gehen. Hundert Stunden nach der Operation musste ich im Turmsaal auf einem Übungsfahrrad fahren. Und fünf Tage nach der Operation habe ich im Meer in den Wellen von Acapulco gebadet. Zwei Wochen später habe ich meinen Film ›Karate Killer‹ in Hollywood begonnen, wie es Dr. DeBakey vorausgesagt hatte.«

Weitere Themen der 226 Seiten umfassenden Erstausgabe:

»Der Unterschied zwischen Männern und Ehemännern«.

»Präsident Lyndon B. Johnson, der einsame Mann und sein Freund« (gemeint sein Enkel).

»Warum sich alle Männer eine Sohn wünschen«.

»Margot Mende, Frau des FDP-Vorsitzenden: Der Tag, der unser Leben veränderte«.

»Die geheimen Wünsche der verheirateten Männer«.

»Was Ehemänner von Heiratsschwindlern lernen können«.

Der Erfolg des neuen, 14-tägig erscheinenden Magazins ist überwältigend. »Jasmin«-Schöpfer Karl-Heinz Hagen: »Die erste Ausgabe ist praktisch ausverkauft. Das nächste Mal drucken wir 1,2 Millionen Exemplare.« Die Startauflage betrug 900000 Exemplare. Der Springer-Verlag hatte etwa zehn Millionen Mark für die Werbung eingesetzt. Der »Spiegel« spricht von: »Springers Gipfelstürmer«. Nach drei Monaten liegt die Auflage bei drei Millionen Exemplaren. Während heutzutage Chefredakteure immer wieder vom Verlag die Seitenzahl gekürzt bekommen, um Geld für Papier zu sparen, und



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